Riten der Hochzeit

 

Riten der Hochzeit

Riten auf Hochzeiten verleihen dem Fest eine gewisse Spannung – Redewendungen wecken Interesse

Woher stammt das Wort Verlobung?

Die bald heiratsfähigen Kinder, meistens die heranwachsenden jungen Frauen wurden früher nicht auf dem Markt, sondern in der Wirtschaft, bei Besuchen oder auf Festen angepriesen, ihre Vorzüge und Mitgift übertrieben gelobt. Da Frauen früher kein Einkommen hatten, wollte man sie irgendwann rechtzeitig verheiratet haben. Das Kind wurde also gelobt - weggelobt - verlobt! Gefiel das Kind (Massstab war die Mitgift, Vergrösserung von Hof und Land) der anderen Familie und sollte es ihr eigenes Kind heiraten, folgte ein Kaufvertrag. Hierbei wurden alle finanziellen und rechtlichen Absprachen unter Zeugen geregelt. Wurde die Verlobung mit einem Handschlag besiegelt, galt die Ehe als geschlossen. Schon das Heiratsversprechen war also der Eheschluss.

Woher stammt die Redewendung "Um die Hand anhalten"

Bei der Verlobung der Kinder wurden alle finanziellen und rechtlichen Absprachen unter Zeugen geregelt. Wurde die Verlobung mit einem Handschlag besiegelt, galt die Ehe als geschlossen. Aus dieser Handlung stammt die Redewendung "Um die Hand anhalten".

Woher stammt die Redewendung "Einen Korb bekommen"    

Diese Redewendung kam ursprünglich aus Holland. Wir alle kennen diese Redewendung. Es war Brauch, dass ein Verehrer seine begehrte Braut umwarb, indem er ihr ein Geschenk in einem geflochtenen Korb mitbrachte. Kam der Verehrer mit seinem Korb, in dem noch sein Geschenk lag, wieder heim, galt er als abgewiesen.

Woher stammt die Redewendung "unter der Haube"?

Da Frauen früher kein Einkommen hatten, war es für sie nicht einfach aus eigener Kraft zu überleben. Daher sorgten ihre Eltern rechtzeitig dafür, dass ihre heranwachsende Tochter rechtzeitig heiratete, unter die Haube kam. Mit diesem Dienst der Eltern war die Zukunft ihrer Tochter gesichert. Wohl der Tochter, die damals eine gute Mitgift mitbekam.

Verlobung nur mit Kindern

In Ländlichen Gegenden war man früher um erbliche Nachfolger von Haus und Hof besorgt. Die ganze Mühe galt nicht grundsätzlich der Erhaltung des eigenen Stammbaums und Mehrung des Besitzes, sondern hatte so ganz nebenbei einen Hintergedanken: Mann wollte sich im Alter versorgt wissen! Um nichts den Zufall überlassen zu müssen, "durfte" das Brautpaar vor ihrer Verlobung eine gewisse Zeit zusammen liegen. Wurde die Braut schwanger, wurde die Verlobung bekannt gegeben.

Woher stammt das Wort Poltern?

War die Heirat durch die Verlobung beschlossene Sache, wandten sich die Eltern der heiratsfähigen Kinder an den Herrn Pfarrer. Seinen kirchlichen Segen sollten die Kinder ja schliesslich auch bekommen. Dieser stellte die Kinder in der Kirche auf seiner Kanzel der Kirchengemeinde vor. Wer schon einmal eine alte Kanzel bestiegen hat, weiss wie steil der Aufstieg ist. Das Schuhwerk von früher war derb und hart, zum Teil auch aus Holz. Beim Abstieg der Kinder von der Kanzel polterte es für jeden Kirchenbesucher vernehmlich.

Brautjungfern

Unverheiratete Mädchen die in Brautkleid ähnlichen Kleidern die Braut in die Kirche geleiten. Dies soll die bösen Geister von der Braut fern halten, bzw. sollen sie verwirren die richtige Braut zu finden.

Altar und Ehering

Über Jahrhunderte hinweg haben sich jede Menge Aberglauben rund um die Trauung bilden können. Die wohl bekanntesten sind: dass es Unglück bringt, wenn sich die Braut auf dem Weg zum Altar umblickt und dass man sich beim Anstecken der Ringe nicht auf die Finger schauen darf.

Schornsteinfeger    

Früher war es Brauch, dass ein Schornsteinfeger vor der Kirche wartete, um dem Brautpaar den ersten Glückwunsch zu überbringen. Ein mit Russ verschmierter Kuss für die Braut lässt die Ehe anscheinend unter einem ganz hellen Stern stehen. Oder wollte der Schornsteinfeger sich vielleicht nur öfters ein Küsschen erschleichen?

Herz ausschneiden

Ein schöner Brauch. Ein Bettlaken wird mit einem grossen Herz und dem Hochzeitsdatum bemalt. Das Brautpaar muss dann mit zwei kleinen Nagelscheren das Herz ausschneiden und durch das herzförmige Loch gemeinsam hindurch steigen. Gerahmt ist das Herz eine stilvolle Erinnerung an die Feierlichkeiten.

Holzstamm zersägen

Dieser Brauch soll die Gemeinsamkeit des Brautpaares symbolisieren, man bewältigt ab jetzt alle Hindernisse des Lebens gemeinsam. Die Gäste besorgen einen Holzstamm, Böcke und eine ordentliche Bogensäge (keine Motorsäge). Direkt nach der Kirche zersägt das Brautpaar den Holzstamm. Möchte jemand das Brautpaar beim Sägen zum Schwitzen bringen, bestehen mehrere Möglichkeiten:

  1. Vorher mit der Säge versuchen, einen Stein (z.B. Kalksandstein) durchzusägen. Am Besten wäre es, das gelänge. Dann wäre die Säge so richtig stumpf.
  2. In dem Bereich des Stammes, wo gesägt werden soll, rings herum in den Stamm etwa 100 Stahlstifte schräg eintreiben.
  3. Meistens fasst der Bräutigam die Bogensäge am Griff an, da er meist mehr Kraft in den Armen hat wie seine Braut. Diesen Kraftüberschuss kann ihm so gar nicht nützen: einfach das Sägeblatt verkehrt einspannen, damit die Zahnung entgegengesetzt läuft.
  4. Ganz, ganz, schwer (für sehr starke Herren mit grossem Mundwerk!): Punkte 1. bis 3. kombinieren

Die Braut soll am Tag der Hochzeit vier Dinge bei sich tragen:

Englischer Brauch: Altes, Neues, Geliehenes, Blaues: (englischer Brauch "something old and something new, something borrowed and something blue")

  1. etwas Altes um das hinter ihr liegende, ledige (oder leidige?) Leben zu symbolisieren, z.B. alter Familienschmuck,
  2. etwas Neues um das vor ihr liegende, verheiratete Leben zu symbolisieren, z.B. der Ehering,
  3. etwas Geliehenes, symbolisiert die Freundschaft z.B. eine geliehene Halskette,
  4. etwas Blaues, symbolisiert die ewige Treue, z.B. ein Strumpfband.

Beim Auszug des Hochzeitszuges aus der Kirche

1. Die vor dem Hochzeitspaar her schreitenden Blumenkinder streuen Blütenblätter, kleine Blumen und Blumenblätter zum Symbol der Fruchtbarkeit vor die Füsse des Brautpaares (die Göttin der Fruchtbarkeit wird angelockt).

2. Reiswerfen oder Reisregen: Alle vor der Kirche auf den Hochzeitszug Wartenden lassen Reiskörner als Symbol der Fruchtbarkeit auf das Hochzeitspaar regnen (die Göttin der Fruchtbarkeit wird angelockt).

Anschneiden der Hochzeitstorte

Füttert sich das Brautpaar z.B. mit Tortenstücken, würden sie sich in ihrer künftigen Ehe stets umsorgen. Die Hochzeitsgäste werden mit Spannung beobachten, wer von beiden beim Zuschneiden der Hochzeitstorte öfter seine Hände oben hält. Derjenige würde dann auch im Eheleben öfter das Sagen haben.

Brautstraußwurf

Eine unverheiratete Trauzeugin darf den Brautstrauss erst beim Brautstrausswurf berühren und fangen. Kommt sie vorher mit dem Brautstrauss in Berührung, kann das ein böses Omen bedeuten. Sie darf z.B. den Brautstrauss von der Braut nicht entgegen nehmen. Auch nicht während der kirchlichen Trauung zum Ringtausch der Brautleute.

Vor den Flitterwochen

Bei ihrer Abreise werden ihre Gäste sie traditionell verabschieden. Falls erlaubt, kann die Hochzeitsgesellschaft ihre Glückwünsche bekräftigen, in dem sie Konfetti streut. Dann sollten sie als Braut ihren Brautstrauss werfen. Die glückliche Fängerin, die dem Aberglauben zufolge die nächste Braut wird, sollten sie vielleicht auf uns hinweisen. Wer weiss, manchmal passieren die merkwürdigsten Dinge.

Der Schleiertanz

Der Schleiertanz ist eine Tradition auf Hochzeitsfeiern, bei der das Brautpaar unter dem Schleier der Braut einen Tanz ausführen muss. Alle anderen Gäste stehen um das Brautpaar herum und halten den Schleier über dem Brautpaar fest. Nach dem Tanz wird der Schleier von allen Gästen zerrissen. Wer dann das kleinste Stück des Schleiers hat, muss das Brautpaar zu einem Abendessen einladen, derjenige mit dem grössten Stück muss den Kinderwagen für das erste Kind bezahlen. Wurde der Schleiertanz ausgeführt, sollte dann auch traditionell der Schleier zerrissen sein.

Die Versteigerung des Brautstrumpfes

Ebenso traditionell wie der Schleiertanz ist die Versteigerung des Strumpfbandes der Braut. Eine Person muss dabei den Auktionator spielen. Dieser bittet dann die Braut, auf einen kleinen Tisch ihr Strumpfband zu präsentieren. Sollte die Braut aber einmal kein Strumpfband tragen (das ist ja schliesslich keine Pflicht), die anwesenden Hochzeitsgäste bitte in ihrem ersten Schock schwitzen lassen! Nach ca. 10 Sekunden gespielter Ratlosigkeit handeln sie bitte als Auktionator kurzerhand nach dem Traumfest-Tipp: Bitte versteigern sie einfach den ganzen Brautstrumpf! Nach dieser ihrer Bekanntmachung weicht der Schock der Hochzeitsgäste einem erleichterten Jubel. Was glauben sie, was jetzt auf dem Festsaal abgeht? Eine riesengrosse Gaudi!

Die Regeln der Versteigerung sind einfach: im Stile einer amerikanischen Versteigerung bieten die Herren für das Anheben des Brautkleides. Mit jedem Gebot muss die Braut ihr Kleid etwas höher anheben. Die Damen bieten gegen das Anheben, bei jedem Gebot einer Dame lässt die Braut das Kleid wieder ein wenig herunter. Wenn das Ende des Strumpfes zu sehen ist, hat der Herr, der das letzte Gebot gegeben hat, die schöne Aufgabe, der Braut den Strumpf auszuziehen.

Nicht jedem frisch gebackenen Ehemann gefällt es gerade, wenn ein anderer Mann seiner Braut den Brautstrumpf auszieht! Traumfest-Tipp für den Bräutigam: Wird die Situation knapp und das Ende des Strumpfes ist schon fast zu erkennen, bietet der Bräutigam sofort eine hohe Summe, z.B. 100,- €. Der Auktionator wird daraufhin kein höheres Gebot mehr zulassen (er versteht diese Geste des Bräutigams) und dem Bräutigam den Zuschlag erteilen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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