Grundregeln des Knigge-ABC

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei keinem anderen Bereich achten wir so auf gutes Benehmen wie bei Tisch. Gerade für die Festtafel auf einer Hochzeit kann ein wenig Benimmwissen niemanden schaden! Tischmanieren haben die grösste Aussenwirkung und sind ein häufiger ungewollter Stolperstein, für das Brautpaar genauso wie für seine Hochzeitsgäste. Diese Grundregeln des Knigge-ABC sollte jeder beherrschen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alkohol
Darf ohne jegliche Begründung abgelehnt werden. Ein Gastgeber kann Alkohol ausschenken und darf getrost selbst Wasser trinken. Wird vor dem Essen einem Gast ein Aperitif gereicht, wird dieser von ihm nicht mit an den Tisch genommen, das erledigen gern Kellner. Die nach Regeln eingedeckten Gläser am Tisch werden von rechts nach links verwendet, das Besteck immer von aussen nach innen. Alle Gläser werden stets an deren Stiel angefasst oder im unteren Drittel und etwa nur bis zu einem Drittel eingeschenkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bouillon
Suppen sind echte Manierenminen. Die Grundregeln sind folgende: nicht pusten, nicht schlürfen, nicht mit dem Brot in die Suppe tunken und den Löffel nur mit dessen Spitze zum Mund führen! Die grosse Frage, ob die Suppenreste ausgetrunken werden dürfen oder nicht, entscheidet der immer der Inhalt: Cremesuppen sowie Suppen mit Einlagen werden praktischer Weise gelöffelt, klare Brühen dagegen dürfen auch ausgetrunken werden. Sie werden in der Regel in einer Suppentasse bzw. Terrine (mit Henkel) serviert. Übrigens: Zum Auslöffeln den Suppenteller bitte nicht schräg stellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Couvert-Brot
Es ist heute Gang und Gebe vor dem Essen etwas Brot zu reichen. Das ist keine Vorspeise, sondern eine Beilage dazu. Dazu stehen meist auch ein Teller und ein Messer auf dem Tisch. Das Couvert-Brot wird nur gebrochen und nicht wie eine Scheibe Brot mit Butter bestrichen und dann gegessen! Das Brot wird in mundgerechte Stücke gebrochen, jedes Stück wird einzeln bestrichen und mit der linken Hand gegessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Drängeln
Zu vielen Hochzeiten und anderen Festen werden die Speisen heute am Buffet angeboten. Das garantiert eine grosse Auswahl an Speisen und ermöglicht den Gästen, nur das zu essen, worauf sie im Augenblick Appetit haben. Allerdings gibt es auch am Buffet einiges zu beachten: Drängeln ist tabu, ebenso sollte man seinen Teller nicht überladen, ganz schlimm wäre: Antipasti- Vorspeisen neben dampfenden Sauerbraten zu legen, lieber einmal öfter gehen. Auch Suppe darf nach genommen werden. Total stillos ist das Naschen am Buffet, oder das Lästern über die Anordnung der aufgebauten Speisen. Erlaubt ist Smalltalk, denn dadurch lernen sich die zwei Verwandtschaften auf der Hochzeit kennen, dann bitte nur Launiges, Lustiges, Verbindendes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Espresso
Klingt banal, wird aber nicht nur in besseren Kreisen gerne zum Fehltritt: Heisse Getränke, wie Espresso, Kaffe oder Tee, die in Tassen nach dem Essen gereicht werden, dürfen erst serviert werden, wenn von der Festtafel alle Besteckteile wie Messer, Gabel, Teller usw. abgeräumt worden sind. Sollte vorher noch ein Digestif serviert worden sein, darf dieser zum Espresso, Kaffee oder Tee stehenbleiben. Die Sektgläser bleiben unangetastet. Beim Trinken nie den kleinen Finger abspreizen! Mancher findet das zwar fein, es wirkt aber übertrieben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fisch
Wird Fisch im ganzen Stück serviert, werden als erstes seine Flossen entfernt. Mit dem Fischmesser werden vom Kopf bis zum Schwanz die Filets geteilt. Jetzt wird der Fisch durch heben des oberste Filets aufgeklappt. Nun lassen sich die Gräten in einem Stück lösen. Sie werden auf einen Extrateller gelegt. Hinter den Kiemen einer Forelle liegen die Bäckchen, welche unter Kennern als Delikatesse gelten! Ob man sie isst, kann jeder selbst entscheiden. Wenn nicht, legt man sie ebenfalls auf den Extrateller. Räucherfisch dagegen wird mit ganz normalem Besteck gegessen. Genauso auch Hähnchen. Wenn es nicht anders geht, darf man bei Geflügel seine Hände zur Hilfe nehmen. Zum Säubern der Hände bitte danach die Fingerschale benutzen! Folgende Speisen dürfen ebenfalls mit den Fingern gegessen werden: Artischocken, Austern, Garnelen, Muscheln, Spareribs, Wachteln und Canapés.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Getränke
Solange der Gastgeber, bei Hochzeiten ist das das Brautpaar, nicht zum Trinken aufgefordert hat, bitte mit dem Trinken warten. Früher galt die Regel – weisses Fleisch, weisser Wein; rotes Fleisch, roter Wein. Diese Regel ist überholt. Es ist erlaubt zu trinken was schmeckt.

 

 

 

 

 

 

Hummer
Für viele Gäste ist es ein Alptraum, Hummer zu essen. Nach dem Lesen diese Abschnitts, dürfen Sie sich gern einmal an Hummer heranwagen. Nur keine Angst! Zum Hummeressen werden immer rote Servietten gereicht. Diese dürfen auch in den Hemdkragen gestopft werden. Aus hellen Stoffservietten liessen sich rötliche Hummerflecken kaum entfernen. Die Scheren und Beine des Hummers dürfen in die Hand genommen werden. Mit den Zacken der Hummergabel wird nun das Scherenfleisch herausgezogen. Der Rest wird mit dem Menübesteck gegessen. Normaler Weise knackt der Koch dem Lobster die Zangen. Falls nicht, bedient man sich der Hummerzange. Die Schalen des Hummers werden auf dem Extrateller abgelegt. Zum Schluss wird ein Schälchen mit Zitronenwasser serviert, in dem sich die Finger bestens säubern lassen.

 

 

 

 

 

 

Interaktion
Wie jedermann weiss, gibt es in Deutschland inzwischen mehr Handys als Einwohner. Die Wahrscheinlichkeit ist somit gross, dass viele der Gäste ein Handy in der Tasche haben. Zum Hochzeitsmal werden diese von allen Gästen abgeschaltet, zumindest aber auf Vibrationsalarm umgeschaltet. Ganz unhöflich ist es, das Telefon neben seinen Teller zu legen. Das sagt so viel wie: Der Anruf ist mir wichtiger als das Hochzeitsessen und das Brautpaar.

 

 

 

 

 

 

Jungbrunnen
Die Aussenwirkung ist heute ein wesentlicher Bestandteil für jedes Hochzeitsfest. Der Feierlichkeit entsprechende Kleidung, gepflegte Hände und Haare gehören einfach dazu. Nicht nur bei den Frauen, sondern ebenso bei den Männern. Eine grosse Unsitte ist es, sein Make-up bei Tisch aufzufrischen, die Lippenkontouren mit dem Lippenstift nachzuziehen oder auch die Augen nachzutuschen. Dazu zieht sich frau immer diskret in den Erfrischungsraum zurück.

 

 

 

 

 

 

Karte
Hier geht es um Takt. Menükarten werden auf keinen Fall unbeachtet ungelesen weggelegt. Anstandshalber: Drei Sekunden überfliegen und auf eventuell vorhandene Titel achten, später bei einem Gespräch mit dem Paar erwähnen! Das freut das Paar.

 

 

 

 

 

 

Liegenschaften
Je nachdem, wie man sein Essbesteck nach dem Essen auf seinen Teller legt, vermittelt es dem Servicepersonal einen Code.

ich möchte eine Pause machen

der Teller kann abgeräumt werden

ich möchte noch weiter essen

Die 20 nach 7 Stellung sagt, dass Sie eine Pause machen, die 20 nach 4 Position dagegen bedeutet: Sie haben fertig gegessen und der Teller kann abgeräumt werden. Wurde Ihr Besteck von Ihnen gekreuzt auf den Teller gelegt, wobei die Gabelzinken nach oben zeigen, heisst dies, Sie möchten noch etwas essen. Andere Codes gehören ins Reich der Phantasie. Folgende Regel, die leider kaum Beachtung findet: wurde das Besteck einmal aufgenommen, darf es die Tischdecke keinesfalls mehr berühren.

 

 

 

 

 

 

Malheur
Das kann Ihnen leider einmal passieren: Sie stossen ein Glas mit einem Getränk um, die Flüssigkeit läuft Ihrem Nachbarn auf den Schoss oder ein Stück Brot fällt Ihnen zu Boden. Das ist kein Desaster – solange Sie, womöglich noch lautstark, kein Aufheben darum machen. Bitten Sie diskret das Servicepersonal heran, um die Spuren zu beseitigen. Wurde bei diesem Malheur Ihr Nachbar in Mitleidenschaft gezogen, entschuldigen Sie sich bei ihm und bieten an, für die Reinigungskosten selbstverständlich aufzukommen. Wurden Sie bekleckert, suchen Sie nach einer Entschuldigung die Toilette auf und bringen dort Ihre Kleidung so gut wie möglich wieder in Ordnung, auf keinen Fall bei Tisch! Und für die Gäste, die das mitbekommen hatten, gilt: Grosszügig, ohne Kommentar oder Gelächter darüber hinwegsehen. Das könnte schliesslich auch ihnen passieren!

 

 

 

 

 

 

Niesen
Unter Niesern gibt es zwei Gruppen: die Unterdrücker und die Windmaschinen. Es spielt keine Rolle zu welchem Hatschi- Typ Sie gehören, beim Niesen wenden Sie sich bitte ab! Ausserdem sollten Sie dabei ein Taschentuch benutzen. Kommt der Nieser zu schnell, benutzen Sie Ihre linke Hand, weil Sie aller Wahrscheinlichkeit später noch jemanden Ihre rechte Hand geben. In vielen Kulturen, wie im arabischen Raum oder in Indien, gilt die rechte Hand als besonders rein, denn nur mit ihr wird gegessen. Wer vorher in sie niest, könnte genauso gut in das Essen spucken. Sollten Sie bei Tisch eine Niesattacke bekommen und sitzen zwischen Tischnachbarn, rucken Sie mit Ihrem Stuhl etwas zurück und niesen wegen der linken Hand nach links. Eine kurze und leise Entschuldigung reicht völlig aus. Jemanden “Gesundheit!” zuzurufen wird heute nicht mehr gewünscht. Sollte ein Gast husten, wird dieser Huster ja auch nicht gleich kommentiert.

 

 

 

 

 

 

Ovationen
Die entscheidende Frage bei den gegenseitigen Aufwartungen: Hier grüsst immer der, der dazukommt oder den anderen zuerst sieht. Auf der Hochzeit bestehen mehrere Möglichkeiten:

  • Das Brautpaar begrüsst die Gäste allein. Die Elternpaare können während dessen die Gäste einander vorstellen.
  • Möchte das Brautpaar, dass auch die Eltern die Gäste begrüssen, steht die Braut vornweg. Es folgen ihr Bräutigam und danach die Brautmutter. Hinter ihr steht der Brautvater, nach ihm die Eltern des Bräutigams.
  • Das Begrüssungskomitee kann auch noch so formiert werden: Das Brautpaar steht in der Mitte der Eltern, wobei die Damen immer vor den Herren stehen.

Sind alle mit einander bekannt, können sie sich gegenseitig begrüssen und die Hand geben. Die Hände nicht schütteln! Es genügt ein sanfter Druck von ein bis drei Sekunden. Dabei sollte man seinem Gegenüber in die Augen sehen.

 

 

 

 

 

 

Prosten
Bei fast jedem Hochzeitsfest, lassen die Gäste gerne ihre Gläser zusammen scheppern und prosten sich zu. Das ist ein schöner, alter Brauch – aber meistens unangebracht. Nur mit Wein, Champagner oder Sekt stösst man an, nicht aber mit Longdrink-, Milchkaffee- Gläsern oder gar Tassen mit Kaffeeinhalt oder Ähnlichem. Feiner ist, das Glas lediglich etwas anzuheben, sich gegenseitig zuzunicken und zuzuprosten. Dabei ist immer Blickkontakt zu halten! Prost!

 

 

 

 

 

 

Quittung
Wenn Sie in einem Lokal die Rechnung möchten, rufen Sie bitte nicht quer durch die Räumlichkeit nach dem Ober! Der Blickkontakt reicht völlig aus. Noch besser ist es, Sie begleichen die Rechnung an der Kasse. Ihre Gäste sollten davon nichts mitbekommen. Trinkgeld bekommen nur Angestellte, nie der Betreiber der Lokalität. Hierbei sind zehn Prozent üblich, im Ausland besser 15 Prozent. Zum Glück brauchen Hochzeitsgäste nicht an eine Quittung zu denken. Essen und Trinken sind ja frei!

 

 

 

 

 

 

Rede
Wer eine Tischrede oder einen Vortrag halten will, hat das Brautpaar rechtzeitig (mindestens zwei Wochen vorher) zu informieren. Ihre Zeitspanne muss ja in die Gesamtzeit des Festes eingeplant werden. Tischreden werden grösstenteils zwischen Hauptgang und Dessert gehalten. Vorträge folgen nach dem Festschmaus. Dann sind das Brautpaar und alle Gäste satt, und freuen sich auf etwas Entspannung. Eine Reden sollten auf keinen Fall länger als 10 Minuten dauern. Die Begrüssungsrede steht allein dem Bräutigam oder der Braut zu, wenn sie es denn möchte. Dazu erhebt sich der Bräutigam vom Stuhl und wartet, bis seine Hochzeitsgäste ruhig geworden sind. An das Glas zu klopfen ist zwar üblich, aber unfein! Blickkontakte sind immer souveräner. Inhaltlich ist alles das erlaubt, was keinen der anwesenden Gäste und vor allem das Paar kritisiert und damit in Verlegenheit bringen könnte, sondern etwas, das alle erheitert.

 

 

 

 

 

 

Serviette
Servietten werden ausgebreitet, einmal gefaltet und so stets auf den Schoss gelegt. Ausnahme besteht: beim Hummer- oder Krebs- Essen. Dabei dürfen Servietten um den Hals gebunden werden. Sollte Ihre Stoffserviette während des Essens versehentlich einmal zu Boden fallen, sollten Sie das Personal bitten, Ihnen eine neue Serviette zu geben. Auf keinen Fall aufheben und weiter benutzen! Wer während des Essens einmal aufstehen muss, legt seine Serviette locker zusammen, links neben den Teller auf die Festtafel. Aber aufgepasst! Einer der Brautleute deutet mit derselben Geste an, dass das Festmahl beendet ist. Bis zu diesem Zeitpunkt lassen die Gäste ihre Serviette auf dem Schoss. Erst nach der Schlussgeste der Brautleute legen alle Gäste ihre Serviette ebenfalls links neben den Teller. Sie wird nicht auf den Teller plaziert oder gefaltet unter das Besteck gelegt!

 

 

 

 

 

 

Tischgespräche
Vor allem das lockere Parlieren auf Hochzeitsfesten dient dazu, dass sich beide Verwandtschaften kennen lernen. Gemeinsamkeiten werden kristallisiert, schafft eine gute Atmosphäre. Hier erfahren Sie das ganze grosse Geheimnis und einen Leitfaden für mögliche Gesprächsthemen: Manch ein Gast ist das erste Mal an diesem Ort. Erster Einstieg könnten darum Gespräche rund um diesen Ort sein, an dem man sich zum Hochzeitsfest getroffen hat. Weiterhin eignen sich auch der Anlass, nämlich die Hochzeitsfeier, das Brautpaar, das Essen, die Zusammenstellung des Menüs oder die Auswahl und Qualität der Getränke zum Gespräch. Alle Äusserungen dazu sollten aber stets positiv sein! Weitere Gesprächsthemen wären interessante Hochzeitsgeschenke mit oder ohne besonderer Geschenkübergabe, gemeinsame Bekannte, Hobbys, Kunst, Musik, besuchte wunderbare Orte und Städte, Urlaubsreisen, Speisen und Getränke, Sport, und TV-Sendungen. Auch über das Wetter läßt sich diskutieren. Unpassend sind dagegen Kritik oder üble Nachrede, selbst wenn sie Dritte betrifft, politische Meinungen, religiöse und andere vermeintlich hoch interessante weltanschauliche Diskussionen. Ganz tabu sind Gespräche über Krankheiten, Gebrechen und Tod, denn eine Hochzeit ist ein Fest der Freude und nicht von Trübsal!

 

 

 

 

 

 

Unpünktlichkeit
Höfliche Menschen sind immer pünktlich. Wer auf einer Einladung hin unpünktlich erscheint, verhält sich grob unhöflich. Der Termin einer Hochzeit wird in der Regel mit dem Versand der Einladungen rechtzeitig bekanntgegeben, so dass Pünktlichkeit vorausgesetzt werden kann.

 

 

 

 

 

 

Verzichten
Während eines Festmenüs können bestimmte Beilagen oder ganze Gänge jederzeit durchaus auslassen werden. Diskretes Ablehnen ist immer erlaubt. Kommentare wie: "Das schmeckt nicht!” sollten unterlassen werden. Werden Beilagenplatten durchgereicht, geben Sie diese ohne Kommentar zu Ihrem Nachbarn weiter. Haben Sie eine Speise probiert und stellen fest, dass diese Ihnen nicht schmeckt, ist es ebenso. Einen Rest des Essens auf dem Teller liegen zu lassen, ist keine Schande. Auf die Frage des Servicepersonals, ob es nicht geschmeckt hat, können Sie einfach charmant antworten, dass es für Sie zu viel war. War das Gemüse tatsächlich einmal verkocht, dann dürfen Sie das durchaus auch kurz erwähnen.

 

 

 

 

 

 

Wein
Wein ist eine Sache für sich. Gut wenn man sich auf diesem Gebiet und somit mit seiner Auswahl etwas auskennt. Wenn das Servicepersonals Ihnen einen Testschluck einschenkt, hat das den Grund: Sie sollen seine Temperatur prüfen, oder feststellen ob er korkelt. Auf keinen Fall sollten Sie über seine Qualität urteilen. Sie selbst hatten vorher ja diesen Wein ausgesucht und bestellt. Es steht also nicht zur Debatte, ob er Ihnen schmeckt oder nicht! Befinden Sie am Wein alles in Ordnung, brauchen Sie jetzt nur noch zu nicken.

 

 

 

 

 

 

Xenien
So nannte einst der römische Dichter Martial seine Gastgeschenke. Das waren seine Sammlung von Begleitversen. Heute gehört es zur Normalität, Brautpaaren ein Geschenk zu überbringen. Möchten Sie zusätzlich Blumen mitbringen: Sträusse werden nie im Einwickelpapier überreicht, und vom Beschenkten mit beiden Händen entgegengenommen! Das drückt Freude über das Empfanges eines Geschenkes aus. Geschenke müssen vom Brautpaar nicht unbedingt sofort ausgepackt werden. Im Laufe des Abends, im Beisein vieler neugieriger Gäste, zu passender Gelegenheit reicht völlig. Sollte das vom Paar aber vergessen werden, wäre das allerdings eine Beleidigung der Schenker.

 

 

 

 

 

Y-Chromosom
Mit der Emanzipation haben sich auch einige Benimmregeln grundlegend geändert: Früher war es Normalität, dass die Frau zuerst die Treppe hinaufging, damit sie bei einem Sturz vom Mann aufgefangen werden konnte. Nur bei schmalen Treppen gilt das noch. Sollte die Breite der Stufen es erlauben, gehen Mann und Frau nebeneinander empor. Beim Ankleiden oder Ablegen von Mänteln geht es heute zwangloser zu. Den Damen wird von höflichen Herren immer noch beim Ablegen oder Anziehen des Mantels Hilfestellung gegeben. Inzwischen dürfen aber auch die Damen den Herren bei Erfordernis helfen. Um nicht unhöflich zu sein, sollten Mann oder Frau kein Protest dagegen einlegen. Wurde ein Gästepaar früher zu einer Hochzeit eingeladen, wurde es so angesprochen bzw. vorgestellt: "Herr und Frau Müller". Da dies diskriminierend wäre, hat sich hier die Anrede geändert: “Herr Swen Müller und Frau Carla Müller”.

 

 

 

Zahnstocher
Während oder nach dem Festmahl sollten Sie nicht versuchen mit Ihrer Zunge Speisereste zwischen den Zähnen zu lösen. Ganz schlimm wäre bei Tisch die Benutzung eines Zahnstochers. Selbst wenn Sie es hinter Ihrer vorgehaltenen Hand täten, wüsste jeder Gast, was Sie da machen. Also: Suchen Sie dafür lieber die Toilette auf. Das Gleich gilt auch für alle kosmetischen Reparaturen, wie das Säubern oder Nachlackieren von den Fingernägeln, das Kämmen und das Nachschminken. Übrigens: Sollten Sie sich nach der Toilette erkundigen, benutzen Sie bitte das Wort Erfrischungsräume.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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